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#1 Nächster Versuch

Aller guten Dinge sind zwei! Also, auf ein Neues...


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Ende August schrieb ich, dass die Entscheidung mit der Rudolfshöhe aufzuhören, endlich ihren verschlungenen Weg in mein Stammhirn gefunden habe und ich nun frohen Mutes sei, mit lustigen Anekdoten auf diese Zeit zurückzublicken. Und dann? Was passierte danach? Nix! Ich konnte einfach nichts aufschreiben.


"Wenn es mir zu viel wird, verstumme ich. Wenn ich ganz wichtige Sachen sagen müsste, verstumme ich. Ich denke dann ganz viel und ich denke in diesen Momenten auch das Richtige, ich kann es nur nicht aussprechen, ich bin dann komplett blockiert. Das ist eine Schwelle, über die ich nicht rüberkomme." (Kurt Krömer)

Dieses Zitat fand ich in Kurt Krömers letztem Buch, in dem der stets lustig auftretende Komiker über seine Depression schreibt. Und ich konnte mich darin sofort wiederfinden.


Ich habe lange überlegt, ob dies der richtige Ort für ein solches Thema ist. Ob ich hier wirklich so offen sein soll. Ich merke aber, dass ich dabei bin, nicht nur mich selbst, sondern auch viele von Euch zu verlieren. Weil ich mich verkrieche und Ihr mein Schweigen als Desinteresse oder gar Ablehnung verstehen könntet. Aber das ist das Allerletzte, was ich will!


Daher werde ich versuchen, Euch hier ein regelmäßiges Update von mir zu geben. So ähnlich wie bei Eurer Ankunft auf der Rudolfshöhe, wo wir uns auch als erstes zumeist an den langen orangenen Tisch setzten und uns gegenseitig erzählten, wie es uns seit Eurem letzten Besuch ergangen ist. Und da es sich jetzt um einen Blog handelt, könnt Ihr sogar leichter reagieren: mit einem Kommentar oder einem Herzchen. Ihr glaubt ja gar nicht, was so ein kleines Herzchen bei einem Menschen auslösen kann.


Also gut, wie wäre denn nun meine Antwort auf Euer imaginäres "Wie geht es dir"?

Tja, was soll ich sagen? Ging schon mal besser, ist schwer untertrieben...

 

Im April dachte ich noch, dass es nur ein paar Wochen brauche und ich dann wieder voller Tatendrang mein nächstes Lebenskapitel aufschlagen würde. Ein bisschen verreisen, Seele baumeln lassen und dann gehts weiter. Pustekuchen! Ich musste in der letzten Zeit schmerzhaft einsehen, dass ich völlig ausgelaugt und erschöpft bin. Neun Jahre intensivsten Soziallebens, ohne Frei- und Ruheraum, für jemanden, der sich selbst als eher introvertiert empfindet, sind einfach nicht spurlos an mir vorbeigegangen. Ganz im Gegenteil! Meine Tränensäcke lassen tief blicken und mein eh schon angeschlagenes Selbstvertrauen alt aussehen. Ich taumle gerade orientierungslos und unsicher umher und weiß nicht wohin mit mir.


Vielleicht ist das auch alles ganz normal. Neun Jahre lang war mein Leben durchgetaktet: Frühstück. Einkaufen. Zimmer machen. Restaurant. Tag für Tag. Woche für Woche. Monat für Monat. Jahr für Jahr. Und jetzt? Jetzt gibt es keine Aufgaben mehr. Und kein Zuhause. Meine Sachen stehen in einer Brandenburger Scheune und warten genauso wie ich darauf, endlich ausgepackt und irgendwo eingeräumt zu werden. Aber im Gegensatz zu meinen Büchern, meiner Vitrine oder meinem Bett bin ich es selbst, der anpacken muss!

Ich muss versuchen, die offenen Baustellen in meinem Kopf abzuschließen! Scheiß auf Zeitplan und objektive Gewichtung. Einfach machen! Eine nach der anderen... Ich muss aufhören, meine Schulden als ein Scheitern zu empfinden! Als den Beweis dafür, in neun Jahren nichts richtig gemacht zu haben. Ich muss meine Lust auf Lustiges wiederfinden!


Wer mag, kann mich auf diesem Weg sehr gerne begleiten. Ich würde mich riesig freuen! Ich will Euch damit nicht runterziehen, sondern Euch daran teilhaben lassen, wie ich wieder mehr und mehr zu mir selbst finde.

Wie auch das Foto in diesem Beitrag hoffentlich immer bunter und fröhlicher wird. Erst die Stühle, dann der Teppich. Und wenn dann noch der Blumenstrauß wieder in seiner vollen Pracht erstrahlt, ist das Schlimmste geschafft.


Und als nächstes? Eineinhalb Jahre in neun Episoden

In den kommenden fünf Wochen werde ich Euch auf den neuesten Stand bringen. Dafür brauche ich neun Beiträge, in denen ich sowohl zurückblicken als auch erzählen werde, was seit unserer Schließung so alles passiert ist.

Warum neun Artikel?

Weil ich alle Gäste unserer letzten neun Monate vor die Kamera gezerrt und gefilmt habe. Ob sie nun wollten oder nicht. Und weil es im Dezember genau neun Monate her sein wird, dass wir uns in einem rauschenden Fest von der Rudolfshöhe verabschiedet haben.

Ring frei für den großen Monats-Clash! Runde 1 - August 24 trifft auf April 25


Zum Abschluss noch ein Zitat von Kurt Krömer:

"Das hier ist quasi eine therapeutische Maßnahme. Das wird ja Depressiven immer empfohlen, alles aufzuschreiben. Ich bin privilegiert, da draußen sind ein paar Leute, die das ganz interessant finden, was ich mache"

TOI! TOI! TOI!

 
 
 

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9 Kommentare


Heidrun
30. Nov. 2025

Mögest du behütet und beschützt sein, lieber Stefan, auf all deinen Wegen - durch Schatten und Licht❣️💫 und vielen Dank für deine mutige Offenheit mit der du uns mit nimmst und uns teilhaben lässt an deinem Leben, deinem Weg !

Von Herzen alles Liebe - und wenn dich dein Weg einmal nach Graz führt: sei von Herzen willkommen !

Mit einer herzlichen und liebevollen Umarmung. Heidrun und Jens

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Penelope
26. Nov. 2025

"Where can we live but days." Danke für dieses Lebenszeichen und dass Du uns teilhaben lässt an deinem Weg, lieber Stefan.

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Sandra
24. Nov. 2025

Du fühlst Dich nicht nur nah an, Stefan, Du bist es auch! Und in einem Punkt muss ich Dir widersprechen: NIEMALS gehen wir Dir verloren! Nimm Dir Zeit. Wir schicken Dir Kraft und Liebe dazu:)

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Gast
24. Nov. 2025

Lieber Stefan,

danke, dass du deine Situation so mutig und offen mit uns teilst, danke, dass du uns auf deine Reise mitnimmst. Es ist schön, von dir zu lesen ❣️

Wir denken ganz fest an dich und umarmen dich. Wenn du dich bereit fühlst, freut sich ein kleiner Mensch, dich kennzulernen.

Alles Liebe,

Oskar Rudi, Pierre & Nika

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Christian
24. Nov. 2025

Ganz viel Kraft und Liebe für Dich!

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